Einsam an Weihnachten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jedesmal zur Weihnachtszeit muss ich an meinen Nachbarn denken.Er war der erste Mensch in meinem Leben,der ein einsames Weihnachtsfest feierte,und das habe ich nie vergessen können.

Er war ein guter alter Mann.
Im Winter bröselte er sein ganzes Frühstücksbrot für die hungrigen Spatzen vor dem Fenster zusammen.

Und wenn im Frühling die Schwalben ihre Nester unter den Dachvorsprung klebten,zeigte er uns die Vögel,wie sie mit hellen Schreien hin und her flogen.Doch seine Augen blieben immer traurig und betrübt.

Im Dorf sagten sie immer er wäre ein wohlhabender Mann.
" Nicht wahr,der alte Mann hat Geld ?"....fragte ich einmal meine Mutter.
" Ja,das sagt man "
"Ja, ich habe ihn einmal weinen sehen,in der Pause,als ich mein Butterbrot holen
wollte ".

" Der alte Mann ist vielleicht so betrübt weil er immer einsam und alleine ist",sagte meine Mutter oft.
" Hat er denn keine Familie ",fragte ich.
" Nein,er ist ganz alleine auf der Welt ".

Als es dann weihnachten wurde,sandte mich meine Mutter mit Weihnachtsbäckereien zum alten Mann.
Wie gut ich mich daran erinnere.

Die Treppe vom Alten war schneeweiß gefegt.Ich traute mich kaum einzutreten so rein war der weiße Boden.Ich überbrachte die Grüße meiner Mutter und sah mich um.Ein schmaler hoher Spiegel war da und rings um ihn,ein schmaler Rahmen,lauter schwarzgeschnittene Profile,wie ich sie nie vorher gesehen hatte.

Der alte zog mich ins Zimmer hinein und fragte ob ich mich auf Weihnachten freue.Ich nickte.
" Und wo wird ihr Weihnachtsbaum stehen "?
" Ich ? Ich werde keinen haben ".

Und da schlug mir etwas auf's Herz beim Gedanken an Weihnachten in diesem " Zuhause ".
In dieser Stube mit den wenigen kleinen Bildern,mit dem spärlichen Mobiliar,dem abgenutztem blauem Sofa und den schweigenden Büchern.
Ich fühlte das trostlose,das Verlassene und die Einsamkeit in dieser kleinen Wohnung mit den schrägen Wänden....und ich schlug den Arm vor's Gesicht und weinte.

Der alte mann zog mich auf seine Knie und drückte sein Gesicht an meines.
Er sagte leise " du bist ein gutes kleines Mädchen "...und ich drückte mich noch mehr an ihn und weinte herzzerbrechend.

Als ich heimkam erzählte ich meiner Mutter von dem einsamen alten Mann,und das ich geweint habe....das niemand an Weihnachten zu ihm ginge und er wohl auch an diesem Weihnachtsfest alleine bleiben würde.

Später ,als wir in ein anderes Dorf zogen und ich erwachsen wurde verblasste die Erinnerung an jenem alten Mann.
Doch an jenem Tag,als ich an seiner Schulter weinte,fühlte ich ohne es zu verstehen zum ersten mal,das es Menschen gibt,die wirklich einsam sind...und das es besonderst schwer ist ,an Weihnachten einsam und alleine zu sein....

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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